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Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten

Das neue Buch von Hochschulseelsorger Burkard Hose aus Würzburg

Von Jacqueline Schlesinger

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen und – als Sie am Ende angekommen waren – sofort wieder von vorne begonnen? Mir ging es so, als ich das Buch des Würzburger Hochschulpfarrers Burkhard Hose „Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten“ gelesen habe. Darin fordert er weitreichende Reformen. Nach den Missbrauchsskandalen erlebt er die Kirche als eine Institution, der viele Menschen nicht mehr vertrauen. Da sie aber letztendlich von nichts anderem lebe als der Glaubwürdigkeit, habe sie strenggenommen aufgehört Kirche zu sein.

Sollten wir das nun betrauern? Nein, sagt Hose. Wir sollten uns vielmehr neu vom Evangelium inspirieren lassen, um eine neue Vision von Kirche zu entfalten. Das Evangelium erzählt von der Unkontrollierbarkeit des Anbrechens des Reiches Gottes. Wir sollten, wie die Frauen vom Grab Jesu, in „ungeordnetem Aufbruch“ ohne vorbestimmtes Ziel loslaufen. Was wäre, wenn wir statt in Kirchenräumen viel mehr auf den Straßen unterwegs wären und erkunden würden, welche Bedeutung das Evangelium für die uns bewegenden gesellschaftlichen Themen hat? In jeweils gegenüber gestellten Wortpaaren (z. B. Überraschung statt Verwaltung; Bündnis statt Mitgliedschaft; Erzählung statt Bekenntnis; Wahrheit leben statt Wahrheit besitzen) entfaltet der Theologe, woran Kirche zugrunde geht und eröffnet Möglichkeiten der Erneuerung des Christseins aus dem Evangelium und die Vision einer neuen Kirche.


Mich hat vor allem die Klarheit seiner Sprache und Aussagen beeindruckt. Er eröffnet überraschende und einleuchtende Verbindungen zwischen unserer Situation heute und dem Markus-Evangelium, den Paulusbriefen und der Situation damals in den ersten christlichen Gemeinden. So bekommen die Texte eine aktuelle Relevanz und Strahlkraft. Das, was er schreibt ist geerdet durch die Erfahrungen, die er aus seinem Dienst in der Hochschulgemeinde einbringt. Es hat mich beeindruckt, wie konsequent er von den konkreten Menschen und ihren Erfahrungen im Leben her denkt und daraus seine Vision entwickelt. 


Ich denke, ich werde das Buch bald ein weiteres Mal lesen. Es macht Freude – und Mut für unseren Weg der Kirchenentwicklung.