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Verharmlosung und Vertuschung sind vom Bösen

Bischof Georg Bätzing verurteilt Missbrauch in der katholischen Kirche
Verharmlosung und Vertuschung sind vom Bösen
Verharmlosung und Vertuschung sind vom Bösen
© Bistum Limburg

Die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker in der katholischen Kirche haben Bischof Dr. Georg Bätzing tief getroffen und beschämt: „Hinter der Zahl von 3.677 betroffenen Opfern stehen 3.677 einzelne Schicksale von Kindern und jungen Menschen, die durch Priester unter Ausnutzung ihrer geistlichen Macht zutiefst verletzt und oft für ihr Leben lang verwundet worden sind. Diesen einzelnen Menschen gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit. Und wir brauchen die Erkenntnisse aus der Forschung, um unsere Maßnahmen in der Prävention zu verstetigen und weiter auszubauen, damit Kinder und junge Menschen im Raum der Kirche sicher leben und sich entfalten können“, sagte der Bischof beim traditionellen Kreuzfest des Bistums am Sonntag, 16. September, in Limburg.

Entmächtigter und demütiger

Bischof Georg Bätzing spendet den Segen mit der Kreuzreliquie. © Bistum Limburg
Bischof Georg Bätzing spendet den Segen mit der Kreuzreliquie. © Bistum Limburg

Die Studie zeige auch, wie diese Verbrechen über lange Zeit fälschlicher Weise abgewiegelt, verharmlost und vertuscht worden seien, um vorgeblich „Schaden“ von der Kirche abzuwenden. „Heute wissen wir, es wird nicht mehr weiter gelingen; und es ist vom Bösen, wenn auf diese Weise Aufmerksamkeit und Ressourcen den Opfern vorenthalten werden“, stellte Bätzing klar. Es bewahrheite sich hier das Wort Jesu, dass die Kirche und ein Glaube, der sich retten und nicht verlieren will, am Ende alles verliere. Dies sei schon erkennbar, denn die Kirche habe Glaubwürdigkeit, Respekt und das Zutrauen der Öffentlichkeit, dass sie im Stande ist, die dunklen Seiten verantwortlich aufzuarbeiten, verloren. 

„Die katholische Kirche weltweit wird aus dieser tiefen Krise gründlich verändert hervorgehen. Wir werden ‚entmächtigt’ und demütiger dastehen als je zuvor. Und ich bin überzeugt, das wird kein Schaden sein, sondern ganz im Gegenteil eine Chance, uns näher bei unserem Herrn und seinem Auftrag wieder zu finden“, sagte der Bischof. Mit der Studie, die während der Vollversammlung der Bischofskonferenz im Detail vorgestellt werde, signalisierten die Bischöfe die Bereitschaft, den nötigen Lernweg einzuschlagen und Veränderungsprozesse in Gang zu bringen. Dies begrüße Bätzing persönlich sehr. 

Konfrontation mit Wahrheit macht frei

In einer Prozession wurde die Reliquie in die Stadtkirche St. Sebastian gebracht. Dort konnten Besucher beten und zur Ruhe kommen. © Bistum Limburg
In einer Prozession wurde die Reliquie in die Stadtkirche St. Sebastian gebracht. Dort konnten Besucher beten und zur Ruhe kommen. © Bistum Limburg

Das Ringen und die Konfrontation mit der Wahrheit, mache wirklich frei. Dies zeige auch der Blick auf das Evangelium des Tages (Vgl. Joh 8,32). Petrus habe sein Bild vom Messias und von sich selbst als Jünger gehabt. Es habe die Ermahnungen und Demütigungen Jesu gebraucht, damit Petrus wirkliche Einsicht in die Wege und Weisheit Gottes gewinnen konnte. „Glaube ohne Passion ist kein christlicher Glaube. Sich auf der Seite der Macht und des Erfolgs sehen zu wollen, ist ein Egoismus, der mit echter Nachfolge unvereinbar ist. Ohne Erstaunen, ohne Erschrecken, ohne innere Erschütterung findet vermutlich niemand wirklich in die Nachfolge Jesu hinein“, so der Bischof. Der Glaube nehme einen stets in die Schule. Wer zur Kirche Jesu Christi dazugehören will, müsse sehen und einsehen lernen, was auch die Christen der ersten Stunde unter Mühen, Tränen und Enttäuschungen hätten lernen müssen. Gott offenbare seine Weisheit und Allmacht nicht in Sturm und Weltrevolutionen, sondern im Kreuz des Erlösers. „Glauben wir nur nicht, dass es den ersten Christen leicht gefallen ist, im schrecklich schändlichen Kreuzestod ihres Herrn irgendetwas Gutes zu entdecken. Es hat Zeit und göttliche Hilfe gebraucht, bis das Holz des Kreuzes angefangen hat zu leuchten wie eine Kostbarkeit; bis aus dem Folterinstrument ein Heilszeichen geworden ist, das man schmücken und verehren wollte, so wie wir es heute tun“, sagte Bätzing. 

Mehr als du siehst heißt die Wirklichkeit sehen

Nach dem Gottesdienst im Limburger Dom waren Besucher in den Bischofsgarten eingeladen. © Bistum Limburg
Nach dem Gottesdienst im Limburger Dom waren Besucher in den Bischofsgarten eingeladen. © Bistum Limburg

Das traditionelle Kreuzfest im Bistum Limburg könne Art Sehschule sein. „Wir wollen die Wirklichkeit dieser Welt und der Kirche und unseres Lebens so betrachten, bedenken und erspüren, bis sie uns an den Brunnenpunkt führt, an dem sie aus Gott herausströmt. Denn Gott ist das ‚Mehr’ in unserem Leitwort ‚Mehr als du siehst’. Im Zeichen des Kreuzes und geborgen unter seinem Schutz möge er uns führen und zu seiner Kirche umgestalten“, so Bätzing. 

Das Kreuzfest 2018 war der Höhe- und Schlusspunkt der 60. Limburger Kreuzwoche. An sieben Thementagen haben sich mehrere tausend Gläubige mit verschiedenen Facetten der Kirchenentwicklung beschäftigt. Das Kreuzfest wurde in diesem Jahr zum ersten Mal im Bischofsgarten in Limburg gefeiert. Es griff das Motto „Mehr als du siehst“ der Kirchenentwicklung auf und bot zahlreiche Programmpunkte wie ein Improvisationstheater zum Thema, verschiedene Mitmachaktionen und Austauschmöglichkeiten sowie weitere Angebote für Jung und Alt.  

Der Ursprung von Kreuzwoche und Kreuzfest liegt im Jahr 1959. Bischof Dr. Wilhelm Kempf ging es dabei um die Stiftung von Identität in einem jungen Bistum. Er wollte Einheit und Vielfalt, Zentrum und Peripherie der jungen Diözese zusammenbinden. Im Zentrum des Festes und der Themenwoche steht die Kreuzreliquie. Zur Reliquie gehört die Staurothek, ein kunstvoller und wertvoller Behälter. Sie gelangten im Rahmen des Kreuzzuges von 1204, bei dem Konstantinopel zerstört wurde, über Umwege in das Bistum Trier. Seit der Gründung des Bistums Limburg befindet sich die Kreuzreliquie im Limburger Domschatz.

Fotos und weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bistumlimburg.de

© Bistum Limburg
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