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Ein guter Anfang und verheißungsvoller Auftakt

Erste Synodalversammlung des Synodalen Weges hat getagt
Ein guter Anfang und verheißungsvoller Auftakt
Ein guter Anfang und verheißungsvoller Auftakt
Die 230 Synodalen saßen in alphabetischer Reihenfolge nebeneinander. Diese Sitzordnung prägte den Austausch und steht für eine neue Kultur des Miteinanders. © KNA-Bild

In den vergangenen drei Tagen schlug das Herz der katholischen Kirche in Deutschland in Frankfurt. Mehr als 230 Delegierte kamen in der Rhein-Main-Metropole im Bistum Limburg zur ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges zusammen. Sie stellten sich brennenden Fragen der Zeit und nahmen die Zukunft der Kirche in den Blick. 

„Der Anfang ist gelungen“, freut sich Bischof Dr. Georg Bätzing. Die große Herausforderung zusammenzufinden sei gelungen. „Wir haben eine neue Kultur eingeübt, aufeinander gehört, ehrlich miteinander gesprochen. Wir waren gemeinsam still und haben zusammen gebetet. Das hat wunderbar funktioniert und gut getan“, so Bätzing. Als lohnend habe er die Diskussion um die Satzung erlebt, die dann mit großer Mehrheit verabschiedet worden sei. In der Auseinandersetzung habe sich viel gezeigt und es sei gut gewesen, dass sich die Versammlung die Zeit dafür genommen habe. Nun könnten die wichtigen Themen angegangen werden, die auf der Agenda für den zweijährigen Synodalen Weg stünden. „Viel Energie und den meisten Druck habe ich bei den Themen Macht und Gewaltenteilung und bei der Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche wahrgenommen. Diese Energie müssen wir jetzt nutzen“, so der Bischof. Ihm sei nochmal klar geworden, dass die Frage nach der Rolle der Frau, entscheidend für die Zukunft der Kirche ist. 

Positive Rückmeldung gab es zu den Überlegungen der Arbeitsgruppe, die das Forum zur Frage des Lebens in gelingenden Beziehungen vorbereitet hat. „Ich wünsche mir, dass wir zu einer neuen Einschätzung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und gleichgeschlechtlichen Empfindens kommen, damit Menschen, die in der Kirche leben wollen, erfahren können, dass sie von der Kirche bejaht und ganz angenommen sind“, so der Bischof. Er sieht hier besonders den Prozess im Bistum Limburg sehr anknüpfungsfähig, der sich mit der Frage beschäftigt, Paare, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen, um Segen bitten. Was tun? Bätzing lobte das Engagement der Katholischen Frauen Deutschland (KFD) und der Gruppe Maria 2.0. „Ihr Engagement war Protest aber kein Gegenprogramm. Wir haben miteinander und füreinander gebetet. Das war wunderbar“, so Bätzing. Jetzt müsse gut weitergearbeitet und klug argumentiert werden, damit der Weg weitergehe. „Wir brauchen Veränderung, die wirklich sichtbar ist“, macht der Bischof deutlich.

Viel Spannung und Energie

Der ersten Vollversammlung entgegengefiebert hat der Frankfurter Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz„Viele in der Stadtkirche haben sich in der Vorbereitung eingebracht und krummgelegt. Sie haben das gern gemacht, weil sie den Synodalen Weg zutiefst bejahen und aus tiefer Überzeugung helfen, ihn zu bereiten“, so zu Eltz. Für ihn persönlich sei es sehr spannend gewesen, bei den Beratungen dabei zu sein. „Es war viel Spannung und Energie in den Beratungen zu spüren. Manchmal hat sie sich entladen. Es ist viel Kraft da, die darauf wartet, entbunden zu werden“, sagte der Stadtdekan. Es sei ein Gewinn und Erfolg gewesen, dass die Synodalen, die unterschiedlich seien, alphabetisch zusammensaßen, und dass unter einem evangelischen Dach getagt worden sei. Keiner sei ausgebrochen oder weggerannt. „Wir haben freimütig gesprochen. Dies ist für mich eine unabdingbare Qualität für eine christliche Versammlung. Strategisches um die Ecke denken oder taktische Spielereien können wir nicht gebrauchen“, so zu Eltz. Die Diskussion um die Geschäftsordnung sei lang gewesen aber hoch spannend. Der Stadtdekan glaubt, dass dadurch der Weg für eine gute Beratung in den kommenden Monaten bereitet worden ist. „In der Bilanz war es ein guter Anfang und ein verheißungsvoller Auftakt. Er war gut begleitet und gut aufgenommen von den Frankfurtern", so Johannes zu Eltz. 

Erste inhaltliche Punkte gesetzt

Dr. Barbara Wieland engagiert sich seit Jahren in der Limburger Diözesanversammlung und im Zentralkomitee deutscher Katholiken. Sie blickt froh und hoffungsvoll auf die erste Vollversammlung zurück. „Die Tage waren sehr spannend. Wir sind gut vorangekommen mit unserem gesamten Prozess, weil wir inhaltlich erste Punkte setzen konnten“, sagt die Theologin. Unterschiedliche Positionen seien ausgetauscht und gehört worden. Es sei Vielfalt klargeworden, auch an Meinungen. Dies sei herausfordernd gewesen aber auch bereichernd. „Ich habe gespürt, dass der Wille da ist, zu überlegen, wie Kirche in eine gute Zukunft gehen kann“, so Wieland. Jetzt könne gut weitergearbeitet werden. 

Mit hohen Erwartungen ist Pfarrer Dr. Werner Otto in die Vollversammlung gegangen. Er sei dankbar und sogar mit Begeisterung aus ihr herausgekommen. „Eine gute Vorbereitung (gerade auch die wirklich kluge Idee der alphabetischen Sitzordnung) hat eine sehr offene, hierarchiefreie Atmosphäre und viele fruchtbare Begegnungen von Synodalen in ganz unterschiedlichen Funktionen ermöglicht. Tief beeindruckt und berührt haben mich die freimütigen und teilweise sehr, sehr persönlichen Statements heute morgen bei den Themen Gleichberechtigung und Sexualmoral. Danke für den Mut, den viele dabei bewiesen haben“, schreibt Otto auf seinem Facebook-Profil. 

Er dankte den vielen Frauen, die nachts im Dom durch ihr Gebet für die Erneuerung der Kirche begleitet haben. „So offen, ehrlich, persönlich und fair wie in den letzten beiden Tagen habe ich Beratungen in der Kirche selten erlebt. Wenn es so weitergeht, könnte in der Synodalversammlung (hoffentlich auch außerhalb von ihr!) ein Vertrauen wachsen, das den Boden bereitet, um vielleicht doch wirklich mutige Entscheidungen für die Zukunft unserer Kirche zu treffen“, schreibt Werner Otto weiter. 

 

Begleitet von Gebeten und guten Wünschen

Susanne Schuhmacher-Godemann arbeitet im katholischen Bezirksbüro Main-Taunus und nimmt für den Berufsverband der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten an den Synodalversammlungen teil. Für sie gab es zwei Highlights beim ersten Treffen. So hat sie sich total gefreut, dass der Antrag zur Geschäftsordnung, das Stimmrecht der Frauen zu stärken, mit 68,7 Prozent angenommen worden ist. Begeisternd, bestärkend und beflügelnd war für sie der Frauengottesdienst am Freitagabend im Dom. Dieses Erlebnis kinge in ihr immer noch nach. „Und ich fand es wunderbar zu wissen, dass uns so viele Frauen und Männer mit ihren Gebeten und guten Wünschen in der Synodalversammlung begleitet haben. Einige von ihnen haben ja sogar die ganze Nacht von Freitag auf Samstag mit einer Nachtwache durchgehalten. Dank an Maria 2.0 Frankfurt für das Durchhalten trotz Wind und Nieselregen!“, so Susanne Schuhmacher-Godemann. Wundern tut sich die Theologin über das Verhalten von Kardinal Woelki, der noch während der Abschlussworte von Kardinal Marx und Professor Sternberg außerhalb der Versammlung ein Interview gegeben habe. Dies sei formal schlicht und ergreifend unhöflich und unfair. Die vier Synodalen des Berufsverbandes werden in den kommenden Monaten in den Foren weiter mitarbeiten. Zudem werden sie in engen Kontakt mit den Verbandsmitgliedern stehen und über den Synodalen Weg berichten. „Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft und sind gespannt auf die nächste Runde im September“, so Schumacher-Godemann.  

Weitere Informationen im Internet unter www.synodalerweg.de. 

Text ergänzt um die Eindrücke von Susanne Schuhmacher-Godemann am Dienstag, 4. Februar, 13:15 Uhr.