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Die römische Instructio – zukunftweisend?

Die Doppelspitze des Ressorts Kirchenentwicklung kommentiert die Instructio der römischen Kleruskongregation.
Die römische Instructio – zukunftweisend?
Die römische Instructio – zukunftweisend?
Die Instruktion der römischen Kleruskongregation sorgt auch im Bistum Limburg für Diskussionen. © pixabay.com

Die Doppelspitze der Kirchenentwicklung, Juliane Schlaud-Wolf, Bischöfliche Beauftragte für Kirchenentwicklung, und Domkapitular Christof May, Bischofsvikar für Kirchenentwicklung, kommentieren die Instruktion der römischen Kleruskongregration „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“: 

Wenn man vom klassischen Schema „Sehen – Urteilen – Handeln“ als hermeneutischem Muster zum Erkenntnisgewinn ausgeht, so kann man dem neuesten römischen Dokument, der Instructio „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“, bei dem ersten Schritt des „Sehens“ eine äußerst detaillierte Kenntnis der Lage der Pastoral und der westlichen Gesellschaften bescheinigen. Auch die Erkenntnis, dass es so in und mit den Pfarreien im Lichte einer missionierenden Pastoral der Evangelisierung nicht weitergehen kann, ist absolut zutreffend. In diesem Schreiben wird keiner nostalgischen Renaissance der Territorialpfarrei das Wort geredet. Im Gegenteil, es wird sehr differenziert auf heutige Orte gelebten Glaubens in der globalen und vernetzten Welt geschaut (vgl. hierzu v.a Nr. 8ff.) und die Pfarrei nicht als einziger Königsweg beschrieben. Der dritte Schritt der konkreten Handlungsanweisungen allerdings lässt die geneigten Leserinnen und Leser dann doch  sehr nachdenklich zurück. Wurde in den ersten beiden Angängen der Reflexion wirklich die Lage in ihrer ganzen Tiefe und Komplexität erfasst oder fehlte am Ende der Mut vor der eigenen Courage?

In Nr. 7 ist zu lesen: „Die Pfarrei ist daher seit ihrer Entstehung eine Antwort auf ein entsprechendes pastorales Erfordernis: durch die Verkündigung des Glaubens und die Spendung der Sakramente das Evangelium den Menschen zu bringen. Die Etymologie des Begriffs macht die Absicht der Institution verständlich: Die Pfarrei ist ein Haus inmitten der Häuser und entspricht der Logik der Inkarnation Jesu Christi, der unter den Menschen lebendig ist und wirkt. Sie ist daher, sichtbar repräsentiert durch das Gotteshaus, ein Zeichen der dauernden Gegenwart des auferstandenen Herrn inmitten seines Volkes.“

Nur eine Seite der Wirklichkeit 

Zwar ist das absolut richtig, es zeigt jedoch nur eine Seite der Wirklichkeit – denn zugleich leitet sich das Wort der Pfarrei von der „par-oikia“ ab, was vornehmlich „neben den Häusern“ oder davon abgeleitet der Aufenthalt in der Fremde bedeutet. Die Kirche vor Ort wird in der Pastoral kaum einen weiteren Qualitätssprung vollziehen, wenn nur noch mehr die traditionelle Rolle der Priesters als Hirte und Leiter betont und eingeschärft wird (vgl. Nr. 66ff). Angesichts der letzten Jahrzehnte der Kirchengeschichte müssen wir doch ernüchtert feststellen: Immer mehr Desselben bringt uns der Lösung nicht näher, sondern verstärkt nur das Problem.

Kirche muss doch immer beides sein: Institution und pilgerndes Gottesvolk; Gastgeber im Gotteshaus und zugleich suchender Pilger, der um Gastfreundschaft bittet und sich damit – auf die Vorsehung vertrauend – dem Unbekannten aussetzt, sich auf das große Spielfeld der postmodernen Gesellschaft wagt. Wenn die Pfarrei der Logik der Inkarnation wirklich folgt, dann darf sie das Herrenwort nicht überhören: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Mt 8,20) Neben der einladenden institutionellen Pfarrei braucht es immer die aufsuchende Pastoral, die sich auf unbekanntes Terrain begibt.

Auf komplexe Herausforderungen mit neue Formen von Leitung und Mitverantwortung reagieren

Ausgehend von diesen vielfältigen Wirklichkeiten kirchlichen Lebens – auch und gerade in einer Pfarrei – muss die Rolle des Pfarrers überdacht werden. Auf die komplexen Herausforderungen der Pfarreien Neuen Typs lässt sich am besten in Leitungsteams reagieren. Dazu braucht es strukturelle Sicherungen und eben nicht nur den guten Willen und vorausschauendes ermöglichendes Agieren einzelner Pfarrer.

Ganz abgesehen davon stellt sich beim Blick auf die personale Realität die Frage, ob eine spirituelle Dynamik der Evangelisierung (vgl. etwa Nr. 17), die sicher dringend notwendig ist, durch die Zentrierung auf die Priester und deren Leitungsfunktion, zu erreichen ist. Ob so die Pfarrei zukünftig „pulsierendes Zentrum der Evangelisierung“ (vgl. 122) werden kann, kann zurecht bezweifelt werden. Mit der erneuten Bestätigung des Predigtverbots für Laien in der Eucharistiefeier schadet die Kirche vor allem sich selbst und den neuen Formen zeitgemäßer Glaubenskommunikation. 

Zudem fühlen sich viele Priester  mit der alleinigen Verantwortung überfordert. Der Vorschlag von Papst Franziskus, Pfarrer für einen überschaubaren Zeitrahmen (wenigstens ad quinquennium) einzusetzen, spricht doch gerade dafür, die Leitung von Pfarreien in Teams zu denken und sie nicht klerikalistisch auf eine Gestalt zu verengen. Geteilte Leitung erleichtert die Leitung, bewirkt Transparenz und baut Machtmissbrauch vor.Diese Erfahrungen machen wir als einer in Doppelspitze agierenden Leitung.

Offenkundiger Kerikalismus

Der Zusammenschluss von Pfarreien zu einer pastoralen Einheit wird als weitere Möglichkeit genannt. Hier schlägt ganz offenkundig der Klerikalismus zu, wenn davon gesprochen wird, dass der Diözesanbischof darauf achten soll „bei der Errichtung eines bestimmten Zusammenschlusses auf keinem Fall mit dem gleichen Dekret (zu) beschließen, dass in mehreren vereinten und nur einem Pfarrer anvertrauten Pfarreien eventuell andere vorhandene Pfarrer, die noch im Amt sind automatisch zum Pfarrvikar ernannt oder faktisch ihres Amtes enthoben werden.“ (Nr. 57) Änderung ja, aber bitte ohne persönliche Konsequenzen für den Klerus; das wird die Glaubwürdigkeit der Erneuerung der Pastoral bei den Gläubigen nicht fördern.

Die Rolle der Nichtpriester wird konsequent auf die Beratung oder Mitarbeit beschränkt. Wie man angesichts einer komplexer werdenden Wirklichkeit auf diese Weise Leitung und Mitverantwortung in der Kirche zukunftsfähig und belebend organisieren will, bleibt ein Rätsel. Von Machtkontrolle angesichts des vielfältigen Machtmissbrauchs ist beispielsweise an keiner Stelle die Rede.

Und schließlich – wer fragt eigentlich nach dem Charisma des Führens und Leitens – bei Priestern und Nicht- Priestern, bei Frauen und Männern?

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