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Anfangen und ausprobieren

Die Auswertung der sechs Exkursionen des Bistums ist abgeschlossen. Was bleibt von den Exkursionen? Und wie geht es weiter?
Anfangen und ausprobieren
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Der Beitrag erschien in einer gekürzten Fassung auch im NETZ-Magazin. Die Ergebnisse des Treffens am 26. Mai lagen bei Redaktionsschluss des Magazins noch nicht vor und wurden nachträglich ergänzt. Das E-Paper zum NETZ-Magazin finden Sie hier.

Viele begeisternde Geschichten, eine große Vielfalt sowie eine spürbare Lust, Kirche mitzugestalten: Darin sehen Juliane Schlaud-Wolf und Christof May, die Doppelspitze für Kirchenentwicklung, die wertvollsten Folgen der Exkursionen und des Auswertungstreffens. Für sie ist nicht das eigentliche „Ergebnis“ – die Verdichtung auf elf Themenfelder, an denen weitergearbeitet werden soll  –, sondern die außergewöhnliche und hoffnungsvolle Erfahrung von Kirchesein unter den Kundschaftern entscheidend. „Wir haben beim Auswertungstreffen im Februar miteinander geteilt, dass Kirche in Magdeburg anders aussieht als Kirche in München oder in Frankreich oder auf den Philippinen. Aber alles ist Kirche, vieles ist neu und alles ist gut“, erklärt Bischofsvikar May. Jetzt gelte es diese große Kraft auch umzusetzen. „Wir sollten jetzt nicht auf Anweisungen warten, sondern aus der Kraft des Heiligen Geistes in vielen Bereichen anfangen und ausprobieren. Kirche baut sich von verschiedenen Seiten auf“, ermutigt Schlaud-Wolf die Kundschafter, die Erfahrungen aus den Exkursionen vor Ort weiterzugeben und kreativ zu werden. Die durch die Exkursionen entstandenen Gruppen und Netzwerke könnten etwa zu kirchlichen Keimzellen werden und neue Projekte initiieren. Eine Unterstützung durch Verantwortungsträger des Bistums sei sicher. Das Bistum signalisiere, so Christof May, ein großes Vertrauen in das, was sich aus den Exkursionen entwickeln könne, und arbeite an Rahmenbedingungen, in denen Neues wachsen kann.

Impulse bereits mehrfach aufgegriffen

Für die Bistumsleitung stellten die Erfahrungen der Exkursionen eine Herausforderung für ihr Leitungsverständnis dar: „Um ein Bistum von der Zukunft aus denken und leiten zu können, braucht es viele unterschiedliche Perspektiven. Die Bistumsleitung muss dafür die Voraussetzungen schaffen und auch für ein Klima sorgen, in dem Neues wachsen kann. Dafür braucht es gegenseitiges Vertrauen, Verständigung und Entscheidungen.“ An verschiedenen Stellen zeige sich bereits ein Vertrauen. So habe sich die Dezernentenkonferenz des Bistums bereits kurz nach dem Auswertungstreffen im Februar über die Ergebnisse beraten. „Die Bereitschaft, diese ernst zu nehmen und etwas zu wagen, ist gegeben.“

Besonders weit fortgeschritten sind die Überlegungen im Bereich Pionierarbeit. Zu Beginn des kommenden Jahres wird es von Seiten des Ressorts Kirchenentwicklung in Kooperation mit dem Theologisch-Pastoralen Institut in Mainz und anderen Bistümern einen Qualifizierungskurs im kirchlichen Kontext geben. Der Kurs ist auf 18 Monate angelegt und richtet sich an haupt- und ehrenamtlich Engagierte, die einen Auftrag beziehungsweise Freiraum haben, Neues zu erkunden. Ein Barcamp in der Villa Gründergeist in Frankfurt, bei dem auch über den Kurs informiert werden soll, steht bereits für Freitag, 18. September, fest [LINK]. Für die Felder Ehrenamt und Partizipation gibt es die Überlegung, ein Kompetenzzentrum Ehrenamt zu schaffen. Damit diese Idee aber auch Wirklichkeit werden kann, müssten noch strukturelle Fragen geklärt werden, erklärt die Doppelspitze einmütig. Sie ist zuversichtlich, dass es hier ebenfalls bald weitere Fortschritte geben kann.

Einfluss auf Zukunftsbild und Transformationsprogramm

Erste Impulse der Exkursionen hat die Bistumsleitung auch in ihrem Entwurf eines Zukunftsbildes für die Kirche im Bistum Limburg aufgegriffen. Darin macht sie ihre eigene Perspektive für die Zukunft der Kirche transparent und will Anregungen für weiteren Austausch bieten. Da geht es nicht um festgeschriebene Wahrheiten, die „abgenickt“ werden sollen, sondern um einen Anfang einer gemeinsamen Vergewisserung – gerne auch kontrovers und vor allem vielfältig. Das im vergangenen Jahr initiierte Transformationsprogramm für die bischöfliche Verwaltung sei angelaufen, erfahre aktuell durch die Coronakrise eine Neuausrichtung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten die Bemühungen im Bistum bisher nicht ausgebremst. Ganz im Gegenteil: „Die Pandemie ist für uns ein guter Beschleuniger.“ Die Sensibilität für das, was berührt, sei gewachsen, zugleich merke man worauf man auch verzichten könne. „Diese Zeit bietet uns die Chance, uns von Ballast zu verabschieden.“ Zugleich entwickelt sich eine bisher ungekannte Vielfalt zum Beispiel bei digitalen Formen. Durch die Pandemie sowie die infolge der Krise erwarteten Einbrüche bei der Kirchensteuer sei aber auch klar, dass sich Kirche künftig viel stärker auf Schwerpunkte festlegen und Ziele fokussieren muss.

Bei einem Treffen am Freitag, 26. Mai, mit dem auch die Auswertung der Exkursionen des Bistums abschließt, wurden nun Schwerpunkte für die Weiterarbeit festgelegt. Ein Team mit Vertretern aus dem BO hat nochmals über die Ergebnisse der Exkursionen beraten, Schnittstellen zu bereits laufenden Prozessen untersucht und den dringlichsten Handlungsbedarf identifiziert. An den Themenbereichen Partizipation und Ehrenamt, Vision, Sozialraum-Orientierung sowie dem Bereich Spiritualität soll nun prioritär weitergearbeitet werden. Eine neue Arbeitsgruppe soll Dialog-Veranstaltungen initiieren, an denen Interessenten aus dem gesamten Bistum mitarbeiten können. Darüber hinaus hat die Gruppe die Aufgabe, Austausch und Vernetzung zu fördern und sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Exkursionen auch in den bereits laufenden Prozessen im Bistum berücksichtigt werden.